Seilklemmen

Pellen die Zähne vom Sicherungsgerät den Mantel vom Seilkern? Das ist eine heiß diskutierte Frage in sämtlichen Kletterforen.

Die gängigen zahnbehafteten Sicherungsgeräte, die fürs Soloklettern verwendet werden, sind:

  • Handsteigklemmen: Petzl Ascension

  • Seilklemmen: Wild Coutntry Ropeman 2, Petzl Basic

  • Exoten: Petzl ASAP

Was müssen diese Geräte denn aushalten können? Handsteigklemmen und Seilklemmen sind üblicherweise nach EN 567 getestet. Das bedeutet, sie müssen eine Festigkeit von 4 kN haben.

In welchem Rahmen kann das funktionieren? Das Problem ist, dass, je weiter man an den Standplatz kommt, umso kürzer ist das dynamische Seil, welches den Stürz dämpft. Auch das kann man einfach simulieren. Dazu habe ich angenommen, dass die Seilklemme zuerst lose an der zentralen Sicherungsschlaufe des Gurts hängt. Wenn man stürzt, blockiert die Seilklemme und wird vom Seil nach oben gezogen. Diese Distanz habe ich auf ca. 50 cm geschätzt. Nach diesen 50 cm freiem Fall kann die Kraft auf die Seilklemme bereits über dem zugelassenen Limit von 4 kN liegen. Damit die Kraft unterhalb bleibt, muss bei festem dynamischem Seil (26% Dehnung) ca. 2 m Seil zwischen Seilklemme und Anschlagpunkt, bei weichem dynamischem Seil (40% Dehnung) ca. 1 m sein. Man sollte also beachten, noch genug Kraft in den Armen für die letzten, entscheidenden Meter zu haben.

Woher kommen dann diese Berichte? Ich habe die Vermutung, dass die Geräte weit außerhalb der Norm benutzt worden. Und das kann schnell vorkommen, zum Beispiel wenn das Seil am Boden nicht ausreichend beschwert ist. Das Seil wird dann nicht automatisch durch die Seilklemme gezogen. So hat man schnell zwei Meter Schlappseil - Schlaufe bis zu den Füßen - plus der Strecke des Sicherungsgerät -hängend zu straff - gesammelt. Die zweieinhalb Meter freier Fall können dann unter schlechten Bedingungen zur Zerstörung führen. Ich muss hier aber hervorheben, dass so etwas ein Anwendungsfehler ist. Es gilt hier, wie für viele Bereiche des Klettersports, Schlappseil so gut wie es geht zu minimieren.

Um die Aussage des Anwendungsfehlers zu unterstreichen möchte ich noch kurz auf Berichte von Slacklinern verweisen. Dort wird gezeigt, dass Seilklemmen auch deutlich mehr als die 4 kN aushalten, ohne das Seil zu beschädigen. Überhaupt möchte ich diese Community mal loben. Dort werden viele Sicherungsgeräte zum Seilspannen getestet.

Trotz des einfachen Prinzips gibt es große Unterschiede in der Sicherheit verschiedener Produkte. Der dänische Branchenverband für autorisierten Seilzugang hat verschiedene Handsteigklemmen auf dynamische Eigenschaften getestet. Dabei würden die Handsteigklemmen mit einem 50 kg Gewicht Stürzen mit dem Sturzfaktor 0,3, 0,5 und 1,0 ausgesetzt. Für den - leider sehr begrenzten Test - wurden die Handsteigklemmen von Petzl und Climbing Technology (CT), sowie die Petzl Bruststeigklemme benutzt. Alle Petzl Seilklemmen haben bei Sturzfaktor 1 das Seil beschädigt. Und beschädigt bedeutet hier, dass der Mantel gerissen um mehrere 10 cm verschoben wurde. Die Handsteigklemme von CT hat nur einige Fäden des Mantels zerrissen. Der große Unterschied zwischen den Herstellern liegt in der Länge und spitze der Zähne. Während die Petzl Ascension wirklich sehr spitze Zähne hat - da möchte man nicht einfach so dranfassen - kann man easy mit den Fingern über den Verschluss der CT Quick Up reiben, ohne nachher einen Druckverband anlegen zu müssen. Ob das der Grund für das höhere Schadenspotenzial der Petzl Klemme ist kann ich nicht sagen, es fällt nur direkt auf, wenn man beide Handsteigklemmen vergleicht.

Für das Solo Toprope Klettern schließe ich daraus, dass zahnbehaftete Sicherungsgeräte in den allermeisten Fällen unproblematisch sind und sich die Kräfte, die auf das Gerät einwirken, innerhalb der getesteten Norm bleiben. Meiner Meinung nach kommen die Berichte über zerstörte Seile dadurch, dass die Geräte weit außerhalb der Norm verwendet wurden, zum Beispiel durch zu viel Schlappseil.