Wild Country Revo
Das Wild Country Revo hat man vielleicht schon mal gesehen, aber wer hat es wirklich schon mal in der Hand gehabt? Sehr wenige. Die letzte DAV Unfallstatistik, die die Unfallursachen nach Sicherungsgerät aufschlüsselt, ist von 2017. Das Revo erschien 2018, demnach kann ich noch keine validen Daten finden. Außer meinem Revo, habe ich erst ein weiteres gesehen, vielleicht klettere ich einfach nicht oft genug in fancy Kletterhallen. Ich denke trotzdem, dass es auch in einer aktuellen Unfallstatistik eher unter Sonstige laufen würde.
Revo = Revolution. Nichts mehr bedeutet der Name. Ganz so revolutionär ist es nicht, hat aber schon einige Änderungen, die das Revo interessant machen. Wie auch das GriGri und das Eddy, ist auch das Revo nach EN 15151-1 zertifiziert; erfüllt somit die Norm für Halbautomaten.
Im Prinzip funktioniert das Revo wie ein Tuber mit einer Fliehkraftbremse, die ab einer Ablassgeschwindigkeit von mehr als 4 m/s blockiert. Dabei wird eine etwa 5 cm große Seilrolle verwendet. Das Seil läuft um diese Rolle und wenn die Drehgeschwindigkeit zu groß wird, drückt sich ein kleiner Stift heraus und blockiert diese. Bei meinen - ich muss zugeben - noch sehr rudimentären Versuchen, hat das auch immer zuverlässig funktioniert.
Das Schöne an diesem Gerät ist, dass man das Seil nicht verkehrtherum einbauen kann, das Revo ist symmetrisch und blockiert in jede Richtung. Damit wird eine entscheidenden Fehlerquelle umgangen. Gerade im Vergleich zum Eddy oder GriGri, bei denen man, wenn man sie abwechselnd verwendet, immer genau schauen muss, wie das Seil eingebaut wird, ist das eine enorme Erleichterung.
Fangen wir mal mit den Sichern beim Sportklettern an. Das Einholen und Ausgeben des Seils beim Sichern eines Kletterers funktioniert wunderbar. Durch die gelagerte Rolle läuft das Seil leicht durch das Gerät. Gerade beim Vorsteigen, passieren deutlich weniger Hakler; der Vorsteiger kann das Seil von Oben fast allein durch das Gerät ziehen. Ablassen hingegen ist etwas ruckeliger als mit einem Tuber oder Halbautomaten. Manchmal fängt das Gerät an zu ruckeln. Es kann natürlich sein, dass mein Revo noch etwas zu frisch ist und noch so richtig eingeklettert werden muss. Es wäre nicht das erste Gerät, welches nach einigen Seil(kilo)metern besser läuft. Auch auf dynamische Kräfte reagiert es sehr gutmütig. Nach einigen Sturztests, auch mit deutlich schwereren Kletterern, konnten wir feststellen, dass auch nach 4-5 m Fall, das Revo noch angenehm sichert.
Wenn man nur das Handling betrachtet, ist das Revo für Lead-Solo ein Traum: man kann das Seil nicht falschherum einbauen, das Seil muss nicht unbedingt im Rucksack mitgeschleppt werden und das Gerät blockiert nicht, wenn man mit Kraft daran zieht, um einen Stopperknoten zu lösen. Leider ist das Handling nicht alles, da auch einige Youtube Videos oder Forenbeiträge veröffentlicht wurde, die eher kritisch mit dem Revos ins Gericht gehen. Einige Punkte sind dabei mehrfach moniert worden:
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repetitive unlock fail: Man fällt ins Seil und das Gerät blockiert ordnungsgemäß. Nun ist aber das lose Seilende noch im Fallen und durch die zusätzlich Kraft auf den Entsicherungsmechanismus, lässt das Gerät wieder los, blockiert dann schnell wieder und so weiter und sofort… Ich habe es noch nicht erlebt. Dieser Zustand ist schon ärgerlich, aber keine ernsthafte Bedrohung, da man höchstens mit 4 m/s am Boden ankommen würde. Außerdem sollte man ja eh in regelmäßigen Abständen Backupknoten ins Seil geknotet haben, so dass spätestens dann die Ruckelei ein Ende hat. Ich werde mal versuchen dieses Zustand herbeizuführen.
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Abschabungen an der orangen Seilrolle mit Fliehkraftkupplung: Das hört sich allerdings schon ernsthafter an und man sollte definitiv immer vorm Klettern eine genaue Sichtprüfung des Geräts durchführen. Wenn sich diese Berichte verdichten sollten, dann muss Wild Country nochmal nacharbeiten. Im Prinzip sollte auch eine Beschädigung am Blockiermechanismus wenig Probleme bereiten, da das Revo ja auch einfach als Tuber verwendet werden kann. Mit Backupknoten also kein Problem, aber das Gerät wäre damit dann auch kaputt.
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Zu langer Fall, bis das Gerät blockiert: Es wird da immer von 6 ft gesprochen, bis der Fall gestoppt wird. 2 m sind schon was, aber wie diese Fehler entstanden, kann ich nicht nachvollziehen. Es schreit nach zusätzlichen Tests, die entweder dieses Problem auf Video zeigen oder es ist gar nicht so schlimm, da all diese Fehler bei sehr geringen Gewichten beobachtet wurden. Bisher kann ich es nicht nachvollziehen, mein Revo blockiert in unter 30 cm, wenn ich zügig am Seil ziehe.