Zusammenstellen eines Setups

Was jeder Solo-Kletterer braucht, egal ob Lead oder Toprope!

Das Zusammenstellen eines Setups ist bevor es losgeht der letzte Schritt. Im Grunde hat man unbegrenzte Möglichleiten, welche Geräte wie kombiniert werden können. Viel wichtiger ist aber nicht das Sicherungsgerät allein, sondern alles drumherum. Es gibt viele, die mit einem gedrehten GriGri sehr glücklich und sicher Klettern und auch sehr viele (ich zum Beispiel) die mit einem Revo sehr gut Erfahrungen gemacht haben.

Allein

Beim normalen Sportklettern ist man immer zu zweit, der Kletterer und der Sicherer. Das ändert sich beim Soloklettern dramatisch. Man muss alles alleine beherrschen können!

Partnercheck

Der Partnercheck fällt weg. Also muss man sein Setup alleine so gut verstehen, und auch so geübt darin sein, dass man immer zuverlässig weiß, wie die Technik (und ich meine hier explizit die Hardware und die Verwendung dieser) richtig benutzt wird.

  • Alle Seilknoten müssen immer perfekt gelingen und die meisten Fehler müssen sofort erkannt werden
  • Sicherungsgeräte müssen richtigherum eingebaut werden. Beim Lead kann schon eine gewissen Verwirrung entstehen, da das gesamte Seil ja noch auf dem Boden liegt.
  • Sämtliches Equipment, was gebraucht wird, muss an der Person sein.

Zusätzliche Bedienung des Sicherungsgerät

Beim Sportklettern bedient das Sicherungsgerät jemand anderes. Beim Soloklettern kommt das noch oben drauf. Die Konzentration kann also nicht mehr ausschließlich auf dem Klettern und möglicherweise Exen-clippen liegen.

Allein das Seilgeben kann im Vorstieg bei viel Seilzug eine Herausforderung werden. Denn dann blockiert das Sicherungsgerät gerne mal und man kann kein Seil ausgeben, um die Exe zu clippen. Das sollte man schonmal mitgemacht haben und vor allem wissen, wie man damit umgeht.

Außerdem kann es auch passieren, dass man den falschen Seilstrang zieht. Beim Klettern mit Sicherungspartner liegt dann das Seil falsch herum in der Expressschlinge und es gibt zusätzliche Seilreibung. Beim Soloklettern hängt man ungesichert an der Wand.

Unterstützung bei Problemen oder Unfällen

Vier Augen sehen mehr als zwei. Es kann nämlich ganz einfach passieren, dass man mal was übersieht. Dazu zwei Beispiele!

Beispiel 1: Ich habe vor längerer Zeit einem Bekannten beim Toprope-Solo zugeschaut und da ist genau der eben beschriebene Fall eingetreten. Er hat das lose Ende des Seils geclippt und es nicht mitbekommen. Ich habe das aber gesehen und wir konnten die Situation beheben. Er hat sich mit einer Bandschlinge an einem Bohrhaken eingehängt und die Seile entheddert. Leider war das Adrenalin dann so hoch, dass er den Klettervorgang dann abgebrochen hat.

Beispiel 2: Als ich vor kurzem ein Highball im Odenwald projektiert habe, habe ich im Solo Toprope den oberen Teil ausgebouldert. Dabei ist mir nicht aufgefallen, dass sich das Seil um meinen Fuß gewickelt hab. Beim Klettern bis zum Top ist mir das auch nicht aufgefallen, erst nachher auf dem Video. Das ist nicht so dramatisch, wie Beispiel 1, aber bei einem Sturz hätte das schon weh getan.

Wenn wirklich was passiert, dann musst du

  • dich selbst aus jeder denkbaren Situation befreien können,
  • dich am eigenen System hocharbeiten oder abzuseilen können,
  • dich aus einer Sturzposition zu befreien und einen Ausstieg aus der Route zu organisieren,
  • Selbstrettungstechniken vor dem ersten ernsthaften Solo-Einsatz geübt und sicher beherrschen, nicht erst im Ernstfall mal etwas probieren,
  • Menschen vorher Bescheid geben, wo du kletterst und bis wann du wieder zurück sein solltest und
  • ein Kommunikationsmittel für den Notfall griffbereit haben. Also nicht im Rucksack am Standplatz, wen du gerade den nächsten Pitch vorsteigst.

Redundanz

Fangen wir mal mit den technisch Lösbaren Problemen an. Konkret: zwei voneinander unabhängige Sicherungsketten. Unabhängig bedeutet dabei mehr als „zwei Sicherungsgeräte am Seil" – die beiden Systeme sollten nach Möglichkeit auch nicht an derselben Fehlerursache scheitern können.

Insgesamt ist es das wichtigste, die ganze Sicherungskette zu betrachten, nicht nur das Sicherungsgerät: Ankerpunkt, Verbindungsmittel, Gerät und Seil müssen als Gesamtsystem redundant gedacht werden. Ein perfekt redundantes Sicherungsgerät nützt wenig, wenn beide Stränge am selben, ungeprüften Ankerpunkt hängen.

Ab hier unterscheiden sich Lead und Toprope schon essentiell, was ihr gerne in den Unterkapiteln nachlesen könnt.

Was sagen die Hersteller?

Bis auf eine Ausnahme sind die Hersteller recht eindeutig:

  • Petzl: Bis dato ist kein Gerät von Petzl speziell zum Solo-Klettern mit Selbstsicherung konzipiert. Geräte, die nicht geeignet sind und explizit in dem Petzl Artikel erwähnt werden: Shunt, Rescucender, GriGri, Neox
  • Edelrid: Dieser Artikel soll aufzeigen, warum Hersteller von Sicherungsgeräten, die den einschlägigen Bergsteiger-Normen entsprechen, die Verwendung dieser Geräte für LRS nicht zulassen können.

Nicht alle Hersteller äußern sich zum Thema rope solo, aber Petzl und Edelrid sind so eindeutig, dass wir nicht groß weitersuchen müssen.

Jedoch müssen wir die zwei Ausnahme nennen:

  • Roc Amadeus mit dem Roc Solo. Deren Aussage: “Works in all fall scenarios: lead climbing, top-roping, and inverted falls”
  • Avant Climbing, die einige an Zubehör zum Soloklettern herstellen.

Der Roc Solo sieht nach einem direkten Nachfolger des Silent Partners aus. Der Silent Partner wird seit 2008 nicht mehr produziert und zwischenzeitlich für 1500€ gebraucht gehandelt und hat seine Funktionsfähigkeit in verschiedenen Situationen schon bewiesen. Pete Whittaker verwendet diesen bei seinen Soloexpeditionen. Ob der Roc Solo so sicher ist, wird erst die Zeit zeigen.

Bis auf einen Hersteller, sollte man verinnerlichen, dass man damit bewusst gegen die Herstellerfreigabe handelt und nicht aus Versehen.

Edelrid hat einen sehr ausführlichen Artikel über die Risiken von Lead Rope Solo (oben verlinkt), der sehr gute Informationen für die eigene Risikoeinschätzung liefert. Darin wird auch klar, dass die Norm des Sicherungsgerät gar nicht so die riesige Rolle spielt. Damit will ich Normen nicht kleinreden; diese sind ein Garant für eine sehr gute Basissicherheit und hochwertige Fertigungsqualität.

Lead Solo

Lead Solo

Beim Vorstieg verwende ich üblicherweise ein Einfachseil, dass ich an einen Anker nach am Startpunkt befestige. Das Sicherungsgerät ist an der Einbindeschlaufe am Gurt befestigt und das Seil eingelegt. Wie bekommen wir hier eine Redundanz hin?

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Toprope Solo

Toprope Solo

Zwei mechanische Klemmen, die beide auf dieselbe Weise durch Vereisung oder einen extrem weichen Mantel überfordert werden, sind keine echte Redundanz, auch wenn formal zwei Geräte verbaut sind. Ein Backup (klassisch: eine Prusikschlinge oder eine zweite, unabhängig bediente Klemme) muss zudem tatsächlich unabhängig funktionieren

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